Corona auf den Philippinen

Derzeit sind alle Nachrichten v.a. auf Deutschland, die EU und wesentliche G20-Staaten gerichtet. Von Ländern wie den Philippinen hört man in unseren Medien nicht viel. Daher hier ein kurzer Überblick.

Alle unsere Ausbildungszentren sind seit Mitte März 2020, kurz vor Ende des Semesters geschlossen, da in allen philippinischen Regionen mehr oder minder starke Ausgangsbeschränkungen bestehen, zu denen auch die Schließung aller Schulen bis auf unbestimmte Zeit gehört. Bisher kann – so wie in Dtl. auch – noch niemand sagen, wann der Schulbetrieb wieder aufgenommen wird und ob das nächste Semester, das je nach Ausbildungsort pünktlich im Juni oder Juli 2020 beginnen würde oder zeitlich verschoben beginnt.

Die Zahlen auf der Homepage der John Hopkins University lesbaren Zahlen über Infektionen und Todesfälle auf den Philippinen sind mit Sicherheit nur ein Bruchteil der realen Zahlen, bei fehlenden Testmöglichkeiten und spätem Beginn von Testungen und Kontaktbeschränkungen. Wie in anderen uns durch die Medien bekannteren Ländern mit rechtsgerichteten und populistischen Regierungen erfolgte hier zunächst eine Verharmlosung der Gefahr ohne Einschränkungen der engen wirtschaftlichen und touristischen Kontakte gerade mit China und eine späte dann überschießende Reaktion. Die Ausgangsbeschränkungen auf den Philippinen verursachen für den Großteil der armen Bevölkerung sehr viel größere Kollateralschäden als bei uns. Quarantäne in den dicht bevölkerten Philippinen mit dem größten Bevölkerungswachstum in Südostasien (106Mill. Einwohner 2018, Bevölkerungswachstum +1,7%/a) bedeutet dann, dass gerade in den Slums der Großstädte die durchschnittliche philippinische Familie mit 6 Kindern + ggf. weiteren Familienmitgliedern der Großfamilie in Ein-Raum-Verschlägen eingesperrt sind, die dicht an dicht zum nächsten Verschlag stehen. Die wenigsten haben feste Arbeitsverhältnisse und wenn jemand Arbeit hatte, dann oft als Tagelöhner. Mit der Quarantäne fällt jegliches Familieneinkommen weg, Kurzarbeitergeld und staatliche Hilfen sind nicht vorhanden, Rücklagen fehlen. In Großstädten wurde freie Essensausgabe versprochen aber nur zum Teil durchgeführt. Immer wieder liest man von den Philippinen, dass die Bevölkerung mehr den Hungertod, als das Coronavirus fürchtet. Präsident Duterte, der uns in Dtl. schon durch seinen kompromisslosen Kampf gegen Drogenkriminalität und politische Gegner bekannt ist, hat die Krise erneut genutzt, um sich erweiterte Vollmachten zu verschaffen. Ähnlich kompromisslos wie in anderen Dingen, hat er angedroht, die Ausgangssperre mit Waffengewalt zu überwachen. Polizei und Militär wurden dazu mit einem Schießbefehl ausgestattet.

Stellen Sie sich Quarantäne in den folgenden Behausungen vor...

Slum in Pasil; (c) S. Spinner

Hütten direkt am Wasser

Hoffnung besteht, dass die überwiegend junge Bevölkerung auf den Philippinen (Durchschnittsalter 22,7 Jahre, 35% der Bevölkerung ist unter 14 Jahre alt, weniger als 4% der Bevölkerung sind über 65 Jahre) von breitflächigen und schwerwiegenden Infektionen verschont bleibt. Allerdings leidet ein Großteil der Bevölkerung an armutsassoziierten Grunderkrankungen (Tuberkulose, COPD bei offenem Feuer zum Kochen in den Wohnungen, Diabetes, art. Hypertonus…), die wiederum ein höheres Risiko für schwere Covid-19-Infektionen darstellen, und ist bei fehlender Krankenversicherung schlecht oder minderversorgt. Das i.b. im ländlichen Raum schlecht ausgestattete Gesundheitswesen ist natürlich bei weitem nicht vorbereitet auf einen Ansturm intensivpflichtiger Patienten.

Parallel ist bei allen Recherchen zum Thema immer wieder zu lesen, wie Deutschland und Österreich in der Coronakrise aktiv und mit Sonderzulassung philippinisches Pflegepersonal für deutsche und österreichische Intensivstationen abwerben und herholen. Für die Pflegekräfte selbst und deren Familien ist das wie ein Lottogewinn, für den philippinischen Staat sind die vielen ausländischen Fachkräfte auch in anderen Bereichen mit den ins Land zurückfließenden Geldern die größte Einnahmequelle. Für das lokale Gesundheitssystem und die Versorgung der eigenen Bevölkerung ist es ein „Exitus“. Zusammenfassend kann man diese schwierigen Konstellationen nur lösen, wenn das Grundproblem der Armut langfristig und an den Wurzeln angegangen wird.

Wir hoffen, dass wir als GGAP e.V. mit unserer Förderung von nur lokal gefragten Berufen und im Ausland nicht anerkannten Ausbildungen hier einen kleinen Tropfen auf den heißen Stein beitragen, auch wenn uns in der derzeitigen Krise mit der Schließung der Berufsschulzentren vorübergehend die Hände gebunden sind.

Auch wenn Ostern mehr denn je in den eigenen 4 Wänden stattfindet, so hoffe ich, dass unser kleiner außerordentlicher GGAP-Bericht ein wenig aus diesen 4 Wänden herausgeführt hat. Ein Blick auf die Philippinen relativiert vielleicht so manche Einschränkung und Unannehmlichkeit bei uns. Wir können nur hoffen, dass die Krise bald ein Ende hat und vielleicht am Ende auch positive Nebeneffekte für ein größeres Miteinander und Füreinander auf dieser Welt mit sich bringt.